Robin

Robin, Eritrea

„Ich möchte wie ein Mensch leben.“

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Das Leben ist sehr hart in Eritrea. Wir haben ein großes Problem mit der Regierung.
Entweder du gehst oder du dienst dein Leben lang dem Militär. Theoretisch trittst du mit 18 Jahren Deinen Dienst an. Praktisch musst du oft schon anfangen, wenn du 14 bist. Jeder muss es machen. Bei der Armee lebst du nicht wie ein Mensch. Sie geben dir nicht viel zu essen und die Lebensbedingungen sind sehr schlecht. Sogar wenn du für die Regierung arbeitest sind die Bedingungen schlecht. Wenn du Lehrer bist, geben sie dir etwa 5€ pro Monat, ohne Essen. Ich liebe mein Land, aber ich möchte nicht unter diesen Bedingungen leben. Ich möchte wie ein Mensch leben. Deshalb bin ich hergekommen. Als ich fast 18 war, hat der Staat beschlossen, dass ich zum Militärdienst gehen soll. Zuerst haben sie mir einen Brief geschickt. Einer meiner Freunde hat mir erklärt, wie es funktioniert: Du musst für 3 bis 6 Monate zur Militärschule. Dann schicken sie dich an die Grenze und Du musst kämpfen. Als ich den Brief bekommen habe, habe ich 6 Wochen lang nicht darauf geantwortet. Dann kam die Polizei und hat unser Haus durchsucht. Zu der Zeit war ich auf dem Land. Meine Mutter rief mich an, um mich zu warnen. Ich bin auf dem Land geblieben, um mich versteckt zu halten. Die Polizisten sind zwei Tage lang in unserem Haus geblieben und haben alles durchsucht. Ich beschloss, zu fliehen und schickte meinen Bruder nach Haus, um meine Sachen zusammen zu packen. Jetzt, wo ich weg bin, habe ich angst, dass sie meine Familie ins Gefängnis stecken, weil sie mich nicht gefunden haben. Normalerweise kommst du für solche Dinge bis zu 6 Monate ins Gefängnis. Ich weiß nichts über meine Familie, wir haben keinen Kontakt.

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Als ich beschlossen habe Eritrea zu verlassen, ging ich zuerst nach Äthiopien. Da habe ich dann die Schlepper getroffen. Ich habe viel Geld bezahlt, um von Äthiopien in den Sudan zu kommen. Dann hatte ich kein Geld mehr. Ich musste eineinhalb Jahre im Sudan arbeiten um Geld für die Weiterreise zu verdienen. Ich habe im Café gearbeitet und alle möglichen Jobs angenommen. Danach bin ich mit Schleppern nach Libyen gegangen. Du triffst den Schlepper nie persönlich. Die Leute im Ort kennen ihn und wenn du rumfragst, bekommst du den Kontakt. Dann läuft alles per Telefon. Endlich konnte ich vom Sudan nach Libyen gehen. 1600 km durch die Wüste! Ich bin hinten auf einem Toyota Pick-Up gefahren. Viele Leute sind auf dem Weg gestorben. Ein Freund von mir starb in der Wüste. Wenn Du stirbst, nehmen Sie Deinen Pass und dein Telefon, um Deine Familie zu benachrichtigen. Aber Dein Körper bleibt in der Wüste. Wir hatten nicht genug Essen und Trinken. Das Auto war zu klein um alles zu transportieren. Wir waren 40 Leute auf dem Pick-Up. Libyen ist sehr gefährlich. Du kannst sehr schnell dein Leben verlieren. Alles wird von ISIS kontrolliert. Ich bin Christ, aber ich musste vortäuschen, Moslem zu sein, sonst hätten sie mich umgebracht. Sie wollen, dass du ein muslimisches Gebet aufsagst und arabisch schreibst. Wenn du das nicht kannst, bringen sie dich um. Zum Glück habe ich einen muslimischen Freund, der mir all das beigebracht hat.

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In Libyen nahmen wir ein Boot um das Mittelmeer zu überqueren. Das ist sehr teuer. Die Schlepper erhöhen ständig die Preise. Es gibt verschiedene Arten von Booten. Die kleinsten Boote sind Schlauchboote für 40 Personen. Mein Boot war etwas besser, aus Holz und mit einem Motor. Ein schlechtes Boot, aber mit einem Motor. Wir waren 420 Menschen an Bord. Als wir über das Mittelmeer fuhren, kam irgendwann die italienische Küstenwache und rettete uns. Sie brachten uns nach Salerno, bei Neapel. Ich bin dann direkt nach Rom gefahren und dann nach Bologna, Bozen und schließlich Deutschland mit dem Zug. Das hat 2 Tage gedauert.
In Eritrea habe ich über Deutschlands Geschichte gelesen und beschlossen, dort hinzugehen. Als ich in München angekommen bin, habe ich meinen Transfer nach Friedland bekommen. Jetzt bin ich endlich sicher, zu 100% gerettet zu sein. In Eritrea zu bleiben ist nicht sicher, aber der Weg nach Europa ist noch viel schlimmer. Ich bin nur durch Glück hier angekommen. Ich danke meinem Gott dafür. Ich bete für Eritrea.
Jetzt, da ich in Deutschland bin möchte ich alles über die Kultur und die Sprache lernen. Ich kann jetzt schon sagen, dass Deutschland mein zweites Land ist. Wenn Eritrea wieder sicher ist, möchte ich zurück und meinem Land dienen. In der Zwischenzeit bleibe ich hier und möchte Deutschland dienen. Früher hatte ich auch in Eritrea ein gutes Leben. Ich bin zur Schule gegangen und habe meine Familie unterstützt. Früher, bevor all dies anfing.